Vom Kratzschutz zum modischen Accessoire

Die Krawatte hat ihren Ursprung bei den römischen Legionären.

Eindeutig belegt konnte der Ursprung der Krawatte (mdal. kroate, frz. cravate) bis heute nicht werden. Es wird allerdings vermutet, dass sie auf die römischen Legionäre zurückgeht, die eine Halsbinde (lat. focale) als Kratzschutz unter der Rüstung getragen haben, die wiederum von den Drakern stammt. In Rom selbst war das Umlegen der Focale lange Zeit verpönt, galt es doch als „weibisch“.

Literarische Spuren

In der Dichtung wird die Krawatte erstmals bei Eustache Deschamps erwähnt, und zwar 1380 in einer Ballade, in der vom Engerziehen der „cravate“ die Rede ist. Mehr als 200 Jahre später beschreibt der Dichter Cesare Vecellio einen römischen Soldaten mit einer „cravate“. Abbildungen aus dem Dreißigjährigen Krieg zeigen die Halsbinde sowohl an deutschen Reitern als auch an französischen Offizieren. Die Modehistorikerin Ingrid Loschek vermutet, dass diese Halsbinde von kroatischen Söldnern übernommen worden ist, was aufgrund des Namens nahe liegt: „Ab etwa 1600 bürgerte sich bei den Truppen Ludwig XIV. ein breites farbiges Halstuch ein. Offiziere trugen diese, die kroatische Krawatte, aus Musselin oder Seide, die gemeinen Soldaten aus Leinen. Das kroatische Reiterregiment der Franzosen erhielt von da an den Namen ‚Royal Cravate'“ (aus: Reclams Mode- und Kostümlexikon).

Zivile Mode

Mit dem schulterlangen, gekräuselten Haar des Mannes trat anstelle des Spitzenkragens um 1670 ein Halstuch nach Art des kroatischen, zuerst in Frankreich und naturgemäß nur in adeligen und großbürgerlichen Kreisen. Dieses Tuch war weiß und mit Spitzenenden verziert, auch „Spitzenbinde“ genannt. Es wurde zweimal um den Hals geschlungen und mit einer separaten, oft farbigen, Schleife zusammen gehalten. In den 1680er-Jahren wurden diese Doppelschleifen sogar gesteift. Üblicher war jedoch die fertig gebundene Krawatte, die im Nacken mit einer Schnalle geschlossen wurde. Gleichzeitig war auch die „Cravate à la Chaconne“ mit lose herab hängenden Enden en vogue, sowie – auffälligerweise bei beiden Geschlechtern – die sogenannte „Steinkerke“, jedoch nur zwischen 1692 und 1715.

Im Régence (1715-1723) gelang die weiße Halsbinde aus Leinen oder Seide, mindestens zweimal gewickelt und hinten geknotet, so dass ein mehr oder weniger üppiges „Jabot“ entstand, erneut zu Furore. Zusätzlichen Halt bot eine Schmucknadel, aus der sich übrigens die Krawattennadel entwickelt hat.

Im Frankreich der 30er- und 40er-Jahre des 18. Jahrhunderts galt es als besonders chic, die Enden des schwarzseidenen Haarbeutels vorne über der weißen Halsbinde zu knoten. Diese schwarze Seidenschleife hieß „Solitaire“.

Revolutionäre Ausnahmen

Vertreter des aufgekärten Bürgertums wie zum Beispiel Friedrich Schiller, verzichteten auf die „aristokratische“ Krawatte und trugen den Hemdkragen ausgeschlagen. Ebenso Ausdruck der politischen Gesinnung war das nachlässig geknotete Halstuch. Ende des 18. Jahrhunderts kam außerdem die „Cachenez“ auf, wobei mehrere weiße und bunte Halstücher übereinander und mit einem Kissen unter dem Kinn getragen wurden.

Während der 1848er-Aufstände trugen Studenten und bürgerliche Revolutionäre blutrote Krawattenknoten. Die schwarzseidenen Schleifenknoten der Engländer wurden 1851 als „Diplomatenschleife“ zum Frack üblich.

Die Art der Knotenbildung war übrigens ebenso Ausdruck von Ideologien, wie Lehrbücher zur Kunst des Krawattenanlegens belegen. Honoré de Balzac veröffentlichte 1827 ein solches unter dem Titel „L’Art de mettre sa cravate“ mit 28 Beispielen.

Plastron-Regate-Langbinder

Aus mehreren übereinander gelegten Knoten hat sich das „Plastron“ entwickelt, das 1860 aufkam. Es wurde zum Cutaway, später auch zum Gehrock getragen und 1920 vom Langbinder abgelöst. Diese heute gängige Form der Krawatte hatte sich bereits 1867 parallel mit dem Umlegekragen und dem Sakko herausgebildet. In England hieß der Langbinder „Four in hands“, in Frankreich nach einem nautischen Knoten „Regate“.

Seit dem 19. Jahrhundert wird nur mehr der Langbinder als Krawatte bezeichnet und vom „Querbinder“, der Schleife und dem Plastron unterschieden. Anfänglich war der Langbinder mit einer Nadel verziert, in den 50er-jahren mit einer Klemme fixiert. Das Plastron ist seither nur zu Cut oder Gehrock „erlaubt“, die Schleife eher zu Abendanzügen wie Smoking und Frack. Seither wurde die Krawatte nicht mehr weiterentwickelt und wechselt lediglich in Farbe, Muster, Material, Länge sowie Breite ihr Aussehen. (dabu)