Virtuell Fashion Designer

Ionomo entwickelt Digital Couture.

Die virtuelle Welt macht auch vor der Mode nicht halt. IONOMO, eine neu gegründete digitale Agentur, hat sich auf die Erstellung und Präsentation von Mode im digitalen Raum spezialisiert. Als erstes Produkt werden 3D-Figuren erzeugt und mit eigens dafür designten Kollektionen ausgestattet. AUSTRIANFASHION.NET  besuchte das Team am Wiener Spittelberg und erhielt Einblicke in die hochwertige und artifizielle Arbeit der Gemeinschaft von Architekten, Modedesignerinnen und 3D-Character Artists.

Wirklich neu sind 3D-Modelle für menschlich wirkende Figuren nicht. Schon Ende der 1990er-Jahre tauchten sie in verschiedenen Zusammenhängen in der virtuellen Welt auf. Am bekanntesten sind wohl jene aus Computerspielen. Aber auch um räumliche Darstellungen wirklichkeitsnäher zu visualisieren und die Vorstellungskraft der BetrachterInnen zu erhöhen, werden 3D-Modelle von Menschen eingesetzt.

Eine gute Architekturvisualisierung benötigt Menschen in der Szene, nicht bloß der Lebendigkeit halber, sondern vor allem, um den Maßstab zu verdeutlichen und gleichzeitig Funktion und Atmosphäre des jeweiligen Raums zu definieren. Eine Aufgabe, die mit Herausforderungen verbunden ist: „Während sich das Drumherum an visualisierten Gebäuden mit Bäumen, Sträuchern, Parkbänken und dergleichen einfach darstellen lässt, ist das bei Figuren weitaus schwieriger“, erklärt Markus Stöger von IONOMO.

Innovation: Ionomo bekleidet eigens kreierte 3D-Menschen mit einer digitalen Kollektion

Das Problem dabei: Die bisher verfügbaren Figuren, die im Internet angeboten werden, wirken alle äußerst unecht, hölzern, geradezu steif und alles andere als realistisch. „Menschen in guter Qualität sind ein Mangel“, konstatiert Stöger und schmunzelt angesichts der Doppeldeutigkeit seiner Aussage. Ein Mangel, der auch etwas Gutes hat, führte er doch diretissima zur Projektidee, die IONOMO zugrunde liegt: Die Kreation eigener 3D-Figurinen, die sich durch ein höchstmögliches Maß an Wirklichkeitsnähe von den am Markt Angebotenen deutlich unterscheiden und darüber hinaus – und das ist ein wahres Novum – von den IONOMO-Designerinnen eingekleidet werden.

Zur Umsetzung holten sich die Architekten DI Markus Stöger, DI Clemens Kraigher und DI Daniel Schramm, die gemeinsam für Konzept, Marketing und Vertrieb verantwortlich zeichnen, die Modeschöpferinnen Tanja Bradaric und Clarisse Flameno ins Boot. Tanja Bradaric hat die Meisterklasse für Mode bei Veronique Branquinho an der Universität für angewandte Kunst absolviert und betreibt seit 2011 gemeinsam mit Taro Ohmae das Label Bradaric Ohmae. Und Clarisse Flameno, Absolventin der Meisterklasse an der Höheren Modeschule Herbststraße, war zuvor für verschiedene Theaterproduktionen tätig.

Während Bradaric die aktuellen Kollektionen für die virtuellen Figuren kreiert, setzt Flameno diese Entwürfe in digitale Outfits um. Dazu dient eine Schnittmustersoftware aus der Modeindustrie, die an den 3D-Figuren simuliert wird, so dass die Textilien physikalisch richtig dargestellt werden können.

In Zusammenarbeit mit einem Team aus Character Artists, die die eigentlichen Figuren erstellen, entstehen dann die fertigen Modelle.

Obwohl IONOMO erst im vergangenen Winter ins Leben gerufen wurde und sich noch im Aufbau befindet, sind die bisherigen Ergebnisse beeindruckend. Bis zum Herbst sollen die ersten Kollektionen fertig sein, die dann über eine Internetplattform weltweit vertrieben werden. Wenngleich IONOMO seinen Fokus derzeit auf die Erstellung von 3D-Figuren für den Einsatz in der Mode- und Architekturvisualisierung richtet, sieht Daniel Schramm zukünftig ein erweiterbares Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise im Gaming-Bereich und in der Werbeindustrie.

Departure fördert die Konzeption und Entwicklung der Webplattform, die Darstellung prototypischer 3D-Figurinen und 3D-Typologien sowie die Umsetzung erster Vertriebsschritte.

(Dagmar Buchta/austrianfashion.net, 16.07.2013)