Natürlich polarisierend

Das Modelabel Polaire ist auf die Produktion von Accessoires und auf 3D-Designmodellierung spezialisiert.

Natürliche Formen und Prozesse in der Natur dienen dem Design von Polaire, das im Dezember 2013 gegründet wurde, als inspirierende Quelle für Kreationen im Accessoire-Bereich. Neben der technologiebasierten Fertigung spielt auch die Einbindung von KundInnen in die Gestaltung der Produkte eine entscheidende Rolle. Während Daniel Reist, der sich während seines Architektur- und Designstudiums auf die Arbeit mit 3D-Designsoftware und Rapid Prototyping spezialisierte, für Kreation und Produktion verantwortlich zeichnet, kümmert sich die Mitgründerin des Unternehmens Anna-Maria Pankiewicz um Vermarktung und kaufmännische Fragen. Das Unternehmen wird von departure gefördert. Die Polaire-MacherInnen im Interview mit AUSTRIANFASHION.NET.

Bei der Berlin Fashion Week 2014 habt ihr eure erste Kollektion präsentiert – sind das auch jene Accessoires, die auf eurer Website zu finden sind?

Zum Teil ja. Auf unserer Website sind aber auch andere Designs zu sehen. Derzeit besteht unser Angebot aus Schuhen, Brillen und Schmuck. Auf der Berlin Fashion Week haben wir aber lediglich unsere Schuhen und Brillen präsentiert.

Welches Motiv war für die Labelgründung ausschlaggebend? Was wollt ihr mit eurem Design aussagen?

Das Motiv für die Gründung ist intrinsisch. Wir wollen einfach mit schönen Objekten arbeiten und außergewöhnliche Designs schaffen, die am Puls der Zeit aber trotzdem auch zeitlos sind. Diese Einstellung beeinflusst alles andere: wie wir arbeiten, wer unsere Sachen kauft/trägt, etc.

Laut eurer Projektbeschreibung bei departure zeichnet sich die Ästhetik von Polaire durch natürliche Formen aus. Nehmen wir als Beispiel den Schuh HAZE – gab es bei seinem Design ein natürliches Vorbild?

Bei Schuhen wie HAZE oder RADIX lassen sich durchaus die natürlichen Vorbilder erkennen, nicht nur an der Form, sondern auch am Namen: Die feinen, geschwungenen Linien beim HAZE erinnern an aufsteigenden Rauch oder Qualm. Der Absatz beim RADIX erinnert an verwachsene Wurzeln, zum Beispiel jenen von Bäumen.

Ihr sagt, dass ihr Prozesse der Natur analysiert und dekodiert – was soll das heißen?

Wir beobachten gerne und befassen uns am liebsten mit Details in der Natur. Wir sehen nicht den Baum, sondern konzentrieren uns auf die Struktur der Baumrinde. Oder wir setzen uns mit der Fortbewegungstechnik einer Qualle auseinander. Die Logik und Systeme in der Natur sind sehr Reich an Inspiration, und in unseren Augen noch sehr mystisch und faszinierend. Das passt sehr gut mit dem zusammen, was wir von unseren Designs erwarten.

Wenn die Natürlichkeit der Formgebung für euch wesentlich ist, trifft das auch auf die Materialien zu?

Schmuck wird bei uns ausschließlich aus Edelmaterialien wie Gold oder Silber gefertigt. Wir wollen, dass unser Schmuck sehr wertvoll ist, besonders für die KundInnen. Bei unseren Schuhen und Brillen setzen wir unterschiedliche Materialien ein. Aktuell machen Polyamide und verschiedene Harze einen Großteil der Struktur aus.

Wo lasst ihr produzieren? Oder stellt ihr selbst her?
Produziert wird derzeit ausschließlich in Europa. Das Finishing führen wir zumeist selbst in Wien durch.

Polaire ist an experimentelles österrreichisches Design und die Architektur der 1960er-Jahre angelehnt? Was ist das Verführerische daran?

Ach, so einiges. Zum einen die Idee der Aktivierung der Erlebnisfähigkeit bei Haus-Rucker-Co (österreichische Architekten- und Künstlergruppe, Anm.) oder auch Zünd-up. Diese konzentrierte Erfahrung steht im engen Zusammenhang mit unserer Betrachtungsweise von Prozessen in der Natur. Zum anderen auch die Haltung dieser Kollektive der Natur gegenüber. Haus-Rucker-Co zum Beispiel hat für viele Konzepte die Bezeichnung „second nature“ gewählt, um die Fusion von natürlichen und künstlichen Prozessen zu kennzeichnen. Hier sehen wir eine enge Verbindung zu unserer Kreation, die ja auch auf der Verschmelzung von natürlichen Formen mit technologischem Fortschritt aufbaut.

Was ist das ganz Spezielle an Polaire? Und welche Bedeutung liegt dem Namen zugrunde?

Was Polaire besonders macht, ist eng mit unserem Gründungsmotiv verwoben. Wir wollen kleine Schätze schaffen und unsere Designs und Kreationen in den Mittelpunkt stellen. Keinesfalls wollen wir ein schnelles, unnatürliches Wachstum zulasten der Qualität und Innovation von Polaire. Unsere Unternehmensstruktur ermöglicht es uns, nach diesem Prinzip zu arbeiten. Die Interpretation des Namens ergibt sich aus mehreren Überlegungen: Einerseits wollen wir durch die parallel eingesetzten Fertigungstechnologien und traditionellen Handwerksarbeiten unseres Designs polarisieren. Andererseits ist auch die Gegensätzlichkeit unserer Charaktere entscheidend für die Namensgebung. Darüber hinaus finden wir auch einfach, dass der Name schön klingt.

Und wo können eure Accessoires erworben werden? Es gibt ja keinen (Web)Shop.

Indem man direkt mit uns in Kontakt tritt.

Kontakt:
www.polaire.at
Schottenfeldgasse 72 / 8c
contact@polaire.at

(Dagmar Buchta/austrianfashion.net, September 2014)