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Zwei neue Showrooms für Mode & Kunst bereichern die Wiener Szene.

Seit gut einem Jahr ist Wien um zwei Schauräume für Mode, Fotografie und bildende Kunst reicher. Die Projekte eigensinnig und S/GHT verstehen sich als Plattformen der Präsentation, Kommunikation und Reflexion abseits verstaubter Shopping-Trampelpfade. Durch die Verbindung von Mode und Kunst soll ein neues Publikum für die Kreativökonomie erschlossen und frischer Wind in die Szene gebracht werden. AUSTRIANFASHION.NET informierte sich bei den BetreiberInnen der Showrooms über ihre Konzepte.

eigensinnig – Schauraum für Mode & Fotografie

Schwarz, Weiß und Grau dominieren den Showroom am Sankt-Ulrichs-Platz im siebten Bezirk: von der Ausstattung des Lokals über das Modesortiment an internationalen Labels, die sonst nirgends in Wien zu finden sind, bis zur ausgestellten Street Photography. Diese Konzentration auf sogenannte Unfarben hat nur rudimentär etwas mit der Abneigung des Duos Stefanie Hofer und Toni Tramezzini gegen Farben zu tun. Vielmehr veranschaulicht sie das eigensinnige Konzept, das sich gegen die Beliebigkeit wechselnder saisonaler Trends wendet: „eigensinnig passt in keine vordefinierte Schublade aus ausgelutschten Mash-Ups, inflationären DIY-Läden oder billigen Poster-Shops“, erklären Tramezzini und Hofer, sondern sei ein „Ort für Persönlichkeit und Individualität, authentisch, rough und seriös“.

Als Toni Tramezzini, Fotograf und Kurator, und Stefanie Hofer, Absolventin der Modeschule Hetzendorf und Kunstuni Linz, eigensinnig vor ziemlich genau einem Jahr gründeten, war es in der Wiener Kreativszene um Räume, die Kommunikation und künstlerischen Austausch mit privatem Shopping exklusiver Produkte und Fotografie verbinden, dürftig bestellt. „Die Idee eine Galerie für Street Photography und einen Concept Store unter einem Dach zu vereinen, gibt es schon länger“, erzählt Toni Tramezzini, der die Galerie im eigensinnig leitet. „Nachdem das Fox House abgerissen wurde (Tramezzini initiierte und leitete das kreative Zwischennutzungsprojekts „365 – The Fox House“, Anm.), haben wir mit den Vorbereitungen für eigensinnig begonnen. Seit Anfang September diesen Jahres verkaufen wir auch Bücher zur Fotografie. Alle Elemente passen wunderbar zusammen und befruchten sich gegenseitig“.

Die internationale Avantgarde-Mode, die hier exklusiv für Wien angeboten wird, besticht durch hochwertige Materialien, individuelle Schnitte und unkonventionelle Designs, abseits saisonaler Trends der globalen Massenprodukte. Ästhetisch-derb und elegant zugleich. Alles natürlich in Schwarz, Weiß und Grau – und von Labels, die sich sehen lassen können: Hannibal, Esther Perbrandt, Ada Zandition, Aleks Kurkowski, Odeur, Sruli Recht, Delusion, Phannatiq, John Varvatos, Camilla Skovgaard und seit neuestem auch Aleksandr Manamis. Gemanagt wird der Concept Store übrigens von Stefanie Hofer, die so lange recherchiert und telefoniert, bis sie internationale DesignerInnen der Avantgarde findet, deren Mode zur „Seele“ des eigensinnig passt.

Bei den Fotografien, die in regelmäßig wechselnden Ausstellungen präsentiert und zum Verkauf angeboten werden, handelt es sich um Werke aufstrebender Street- und Reportagefotografen ebenso wie um jene bekannter Größen, beispielsweise Matt Stuart, Dennis Iwaskiewicz oder Robert Rutöd. „eigensinnig ist die erste Galerie für Street Photography in Europa“, erklärt Tramezzini.

Den BetreiberInnen von eigensinnig ist es ein besonderes Anliegen, „Wiener Historismus und Gemütlichkeit, Londoner Cool- und Roughness und skandinavischem Purismus“ zu vereinen und damit einen Ort in entspannter Atmosphäre zu schaffen, um „Avantgarde am eigenen Körper zu spüren“: „Wer ins eigensinnig kommt, nimmt Zeit mit und lässt sich inspirieren“.

departure fördert den Aufbau der Marke eigensinnig durch Veranstaltungs- und Netzwerkaktivitäten sowie Beratungsleistungen in den Bereichen Steuern, Recht und Marketing.

eigensinnig – Schauraum für Mode & Fotografie
Sankt-Ulrichs-Platz 4, 1070 Wien
Tuesday – Friday 12:00 – 19:00
Saturday 10:00 – 18:00
www.eigensinnig.at

S/GHTS – neue Formate für Mode und Kunst

Eine weitere Plattform an der Schnittstelle von Mode und Kunst ist das Projekt S/GHTS. Unter dem Namen „at first sight“ eröffnete Vivien Sakura Brandl bereits 2007 in der Wiener Kirchengasse einen Multilabelstore für zeitgenössische Mode österreichischer Designerinnen. Als durch die Kooperation mit dem Grafiker und Künstler Mario Kiesenhofer im Oktober vergangenen Jahres mit S/GHTS die „neuen Formate für Mode und Kunst“ ins Leben gerufen wurden, entschloss man sich zur Umbenennung sowie räumlichen Adaptierung des Stores zum Showroom.

Das Konzept von Brandl und Kiesenhofer bewegt sich auf drei Ebenen: S/GHT ROOM als Präsentations- und Ausstellungsraum in Wien, S/GHT SPECIFICS als temporäre Pop-up-Stores in nationalen wie internationalen Kunstinstitutionen und S/GHT ONLINE als ortsunabhängiges, virtuelles Schaufenster, das von KünstlerInnen gestaltet wird und zugleich die S/GHT-Products am Übergang von Kunst und Mode vermittelt und verfügbar macht.

„Wir versuchen abgetretene Mode- und Kunstpfade zu durchbrechen und durch eine spannende Verbindung von Mode und Kunst ein neues Publikum anzusprechen“, erklärt Vivien Brandl und nennt als Beispiel die Pop-up-Stores. Die Idee dahinter: Mode beispielsweise in Verbindung mit einer Kunstinstallation in bereits bestehenden Kultureinrichtungen zu präsentieren. Damit soll einem kunstinteressierten Publikum Mode näher gebracht und vice versa modebewusste Menschen für Kunst begeistert werden. So gab es Mitte Oktober einen Pop-up Shop mit Mode vom S/GHT und der Installation „come to me“ der Künstlerin Amelie Zadeh in der Tabakfabrik Linz.

„Der Spiegel als Medium ermöglicht das Betrachten und Beobachten der eigenen Person und ist aus keinem Modeshop – ob intim in der Umkleidekabine oder gut sichtbar im Raum platziert – nicht wegzudenken“, erläutert Brandl das künstlerische Projekt. „Auch innerhalb der Modeshootings kamen Spiegelfächen zur Anwendung, um über die Kamera einzelne Blickachsen aufzuzeichnen. Diese Achsen wurden als Display innerhalb der Tabakfabrik vom visuellen Material mithilfe von Sound zur Architektur selbst, und zeigten sich so den BesucherInnen in unterschiedlichsten Konstellationen, als Präsentations-, Verkaufs- und „Reflexions“fläche“. Weitere Stationen der Pop-ups sind im kommenden Jahr in Linz und München sowie für 2015 in Tokio geplant.

Außerdem ist es ein wesentliches Anliegen Brandls, die als „halbe Japanerin“ übrigens einige Zeit in Tokio gelebt hat, mit S/GHTS auch DesignerInnen und KünstlerInnen sichtbar zu machen, die nicht am internationalen Modemarkt mitwirken und von keiner renommierten Galerie vertreten werden. Die Auswahl der Labels erfolgt auf internationalen Modemessen in Paris, Berlin, Kopenhagen und Tokio, die das Duo regelmäßig besuchen. „Dem gegenübergestellt werden kleine heimische Labels, die lokal produzieren und sich dem schnelllebigen Modezirkus entziehen“, so Brandl. Dadurch entstehe ein spannender Mix, der ein breites Publikum anspreche. „Allein mit den ESSL-Rucksäcken haben wir in Wien und auch international einen Trend gesetzt. Japanische Stylisten lieben ihn, und im Magazin monocle (UK) wurde er sogar in der Januar-Ausgabe 2013 präsentiert“.

Mit ihren „neuen Formaten für Mode und Kunst“ wollen die BetreiberInnen von S/GHTS „Neugierde schaffen und den Blickwinkel im Alltag verändern“. Das dürfte ihnen alleine schon mit den Pop-up-Stores geglückt sein.

departure und die Wirtschaftsagentur Wien fördern die Konzeption der Plattform S/GHTS zur Verbindung von Mode und Kunst in einem innovativen Format und Geschäftsmodell.

S/GHTS – neue Formate für Mode und Kunst
Kirchengasse 24, 1070 Wien
Monday – Saturday
11:00 – 18:00
www.sight.at

(Dagmar Buchta/austrianfashion.net, 24.10.2013)