Feministinnen in Stöckelschuhen?

Frau mutiert nicht in Nullkomanichts zu einer oberflächlichen Tusse.

Wovor mir wirklich graut, sind diese Must’s und Don’ts. Moralinsaure Vorschriften Spaß entleerter ZeitgenossInnen, die mit erhobenem Zeigefinger predigen, wie sich eine richtige Feministin zu kleiden hat. Bequem, und dazu hat in erster Linie flaches Schuhwerk zu zählen.

Natürlich sind mir die Argumente der Turnschuh-Liga verständlich. Sowohl theoretisch als auch praktisch: die Unterwerfungsverweigerung unter das Schönheitsideal, Bewegungsfreiheit auf allen Ebenen, die Beschäftigung mit wirklich essentiellen Dingen (und nicht mit Kleidung), schnelle Flucht bei eventuellen Angriffen etc.

Ja, klar. Aber! Ab und zu ist ein bisschen Unvernunft einfach lustvoller. Wenn frau in luftigen Höhen durch die Gegend stakst, verliert sie nicht automatisch ihr politisches Bewusstsein und mutiert nicht in Nullkomanichts zu einer oberflächlichen Tusse. Und auch dem vermeintlichen Verfolger kann bei gekonnter Stöckelführung entkommen werden. Im Notfall barfuß. Nicht zu vergessen: High heels sind auch als Schlagwerkzeuge bestens geeignet.

Und überhaupt würde uns ein bisschen mehr Buntheit, Unernsthaftigkeit und Durchmischung gut tun. Im Gegenzug mit einem Weniger an langweiliger Eindimensionalität, Ausgrenzung und faden Dresscodes. Lasst doch die Frauen, egal was sie sind und wofür sie stehen, tragen was sie wollen.

(Dagmar Buchta/dieStandard.at, 22.07.2008)